Meine erste Retrospektive – Die Chaos Retro

Experiment: 6 Monate als Scrum Master (Teil 4)

 

Hey,

ich bins wieder !

Heute möchte ich euch mal von meiner allerersten Retrospektive erzählen ! 😃

Inzwischen kann ich zwar meine selbst-moderierten Retros immer noch an einer Hand abzählen, aber ich finde die erste ist besonders spannend.

Was bisher geschah könnt ihr hier nochmal nachlesen:

Was ist denn überhaupt eine Retrospektive?

 

Was ist eine Retrospektive?

Photo by Laura Fuhrman on Unsplash

Für alle Scrumlinge oder agilen Freunde ist das zwar bestimmt klar, aber ich finde es immer wichtig die Frage “Warum machen wir das?” eindeutig zu beantworten.

Eine Retrospektive ist nicht mehr als ein Rückblick, also ein Blick in die Vergangenheit.

Bei SCRUM betrachtet man hierbei den Zeitraum des letzten Sprints – bei uns sind das 2 Wochen.

Schon damals in der Schule habe ich nach jeder Klausur eine Retrospektive alleine für mich durchgeführt:

  • Wie war das Ergebnis ? Welche Note wollte ich haben, welche habe ich bekommen ?
  • Wie viel Zeit habe ich dafür reingesteckt? Hätte ich meine Freizeit vielleicht doch besser nutzen können, um so mit einer zufriedenstellenden 2- ein ähnliches Ergebnis zu bekommen ?
  • Habe ich spät genug angefangen zu lernen ?
  • Was würde ich für die nächste Klausur anders machen ?

Und im Grunde ist das auch schon die Essenz einer Retro innerhalb Scrum.

Jetzt ist man aber Teil eines Teams und alle machen mit. Die Hauptfrage ändert sich geringfügig und lautet jetzt:

 

Was können wir noch besser machen ? 😃

 

Für unsere Projektteams führt das immer zu unserem Hauptziel:

 

Wie können wir das Produkt verbessern?”

 

Der Ablauf einer Retro nach Lehrplan

 
Retrospektive nach Lehrplan
Photo by Ivan Aleksic on Unsplash

Der klassische “Blick zurück” wird in 5 Phasen unterteilt:

  1. Set the Stage – “Die Bühne vorbereiten”:
    Hier wird alles vorbereitet für die nächsten Aktionen, die Rahmenbedingungen geklärt & alle zum mitmachen motiviert. Bei den Rahmenbedingungen ist die wichtigste Regel: Alle dürfen alles sagen, keiner soll Probleme für sich behalten oder vor Konsequenzen Angst haben.
  2. Gather Data – “Daten sammeln”:
    Damit wir uns Gedanken über Verbesserungen machen können, müssen wir erstmal wissen, was so in dem letzten Sprint passiert ist. Hier werden alle Informationen gesammelt.
  3. Derive Insights – “Erkenntnisse ableiten”:
    Das ist die Übergangsphase, hier kann man nochmal tiefer in einzelne Themen einsteigen und Optionen sammeln, wie man ein Problem besser lösen kann.
  4. Determine Actions – “Wer macht was?”:
    Kleine Aktionen erstellen und die wichtigsten davon bestimmen. Nicht zu viel vornehmen ;)
  5. Close – “Das Ende naht”:
    Hier wird nochmal alles in Kürze zusammengefasst, was unsere wichtigsten Themen waren und was wir dagegen unternehmen wollen.
    Dann kommt die Retrospektive für die Retrospektive – na, schon einen Knoten im Kopf ? Hier gehts also schnell darum, Feedback für die Retro selbst zu bekommen oder auch einfach zu hören wie das Team so klar kam und ob es mit dem Ergebnis zufrieden ist.

Und dann ist wirklich mal Schluss !!! Lass die Leute gehen, sie waren lange genug hier.

 

Der komplett andere Ablauf meiner ersten Retro

Angefangen hat meine Retro direkt mit der Frage “Müssen wir uns noch verbessern ? Wie gut sind wir aktuell schon” ?

Dabei wurde auf einer Skala von 1–10 von jedem ein persönlicher Eindruck gewertet.

Das Ergebnis ist wenig überraschend:

 

Es gibt immer was zu tun, aber wir sind schon ganz gut 😂

 

Chaos-Retro

Es war meine allererste Retro und ich habe offen & ehrlich gesagt: “ich weiß garnicht so richtig wie man das macht”. Die einfachste Retro, die ich kenne, ist eine simple +/- Retro, bei der man die guten und schlechten Dinge erstmal auflistet und im Nachgang darüber abstimmt, über welches Themengebiet man weiter bis zu Lösungsmaßnahmen diskutieren möchte.

Aber das wollte ich nicht 😉

 
Ausbrechen aus standardisierten Abläufen
Photo by Damir Spanic on Unsplash

Mit einem Bild von Prison Break habe ich dann erklärt, dass ich gerne aus den Standard-Methoden “ausbrechen” möchte & einfach mal erleben möchte was passiert.

Also habe ich unser recht großes Team (> 12 P.) in zwei Gruppen eingeteilt und Ihnen einfach mal keine Aufgabe gegeben.

Ich hatte die Hoffnung, dass die Jungs & Mädels schon selbst genug Retros gemacht haben, damit sie auch jetzt irgendwas Sinnvolles machen mit der Zeit.

Da aktuell alles remote abläuft, hatten die beiden Gruppen dann auch einen seperaten Videoanruf auf, in dem sie nicht die andere Gruppe störten.

Während den 30 Minuten konnte ich schon auf unserem digitalen Whiteboard verfolgen, was die beiden Gruppen für einen Ansatz gewählt haben.

Und jaaaa – es hat geklappt 😇

 

Chaos Retro – Team 1:

Das erste Team hat einen eher problembasierten Ansatz gewählt und in der Zeit 3 - 4 große Themengebiete angesprochen und Details zu dem Problem gesammelt.

Die einzelnen Klebezettel wurden dann gegen Ende auch perfekt zu den Themengebieten gruppiert.

Immer wieder wurde auch ein Bild von einem “Homer-Klebezettel” zwischen den Teams hin und hergeschoben 🤪

 

Chaos Retro – Team 2:

Mit einem komplett anderen Ansatz ist Team 2 gestartet, in ihrer “Chaos Retro” wurden zu Beginn fleißig Zettel an die “Wand geklebt” – immer noch digital, aber mein Deutschlehrer mag keine Wiederholungen.

Nach dieser Brainstorming Phase, in der jeder Punkte genannt hat, wurden die Zettel anhand einer Bewertungsskala sortiert: Zwischen “Awesome” und ”Sucks” um genau zu sein.

 

Chaos Retro – Alle wieder vereint

In der großen Runde gab es dann erstmal eine grobe Vorstellung der einzelnen Ergebnisse. Hier waren alle schon überrascht wie komplett unterschiedlich die “Aufgabe” behandelt wurde – die es garnicht gab. Es war also nichts falsch oder richtig und beides einfach vorhanden.

Nach der kurzen Vorstellung durch einen Vertreter des Teams habe ich dann eine weitere Runde in den Teams gestartet. Aber ich bin ja auch nicht faul, deshalb gab es dieses Mal eine Aufgabe:

“Schaut euch die Probleme genau an, die das andere Team gefunden hat & versucht dafür Lösungen zu finden”.

 

Chaos Retro – Löse (nicht) die eigenen Probleme

 
Löse (nicht) die eigenen Probleme
Photo by Volodymyr Hryshchenko on Unsplash

Nachdem wir nun für die großen Themenblöcke von Team 1 und für die Zettel, die am meisten “sucken” erste Ideen zur Lösungen hatten, haben wir uns alle wieder im Haupttermin versammelt.

Nach einer kurzen Abstimmung, welche Themen uns dann am meisten stören, haben wir uns die Lösungsansätze zu dem Problem nacheinander geschnappt und mit der gesamten Gruppe ausgearbeitet.

Zeitlich bedingt hatten wir an der Stelle nur noch ausreichend Zeit für die zwei “beliebtesten” Probleme. Aber das passt ja soweit ganz gut, viel mehr sollte man sich auch garnicht vornehmen für zwei Wochen, sonst ist es zu viel – hab ich gehört.

 

Der grobe zeitliche Ablauf:

Hier nochmal ein kleiner Überblick, wie der ungefähre zeitliche Ablauf war – meinem Text kann man das sicher nicht so einfach entnehmen:

  • 09:00–09:15 Einleitung
  • 09:15–09:45 Open Space Runde 1
  • 09:45–09:50 Pause
  • 09:50–09:55 Kurze Vorstellung der besprochenen Themen
  • 09:55–10:25 Open Space Runde 2
  • 10:25–10:55 Diskussion in großer Runde & Maßnahmen
  • 10:55 Ende und Voting: Wie fandet ihr das?

 

Feedback Time – Wie kam die Chaos Retro an?

Insgesamt wurde die Retro gut angenommen, es war frei & kreativ.

Besonders die Aufteilung in 2 Gruppen kam auch bei allen Teilnehmern gut an.

Für mich war besonders wichtig: Es hat allen Spaß gemacht !!

Hauptsache Spaß!

Photo by Ben White on Unsplash

Aber nicht alles war rosig, das Team hat auch zu bedenken gegeben:

  • Ohne einen Antreiber in der Mini-Gruppe funktioniert das nicht
  • Etwas mehr Struktur wäre auch hilfreich gewesen
    (es gab auch einige, die gefühlt Struktur wahrgenommen haben → hier sehr unterschiedliche Auffassung)

So, jetzt reichts aber – das war ne ganze Menge Text. 🤷‍♂️

 

Bis dann, Wirsing! 👋

 

Thanks to Frankschaust. 

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