Alles agil oder was?

Inzwischen haben wir es wohl alle einmal gehört: Agiles Projektmanagement ist gerade voll im Trend. Es stellt sich die berechtigte Frage, ob Scrum, Kanban oder Design Thinking nur weitere Buzzwords für eine zukunftsfähige Arbeitskultur sind, die aktuell stark gehypt wird? Alle, die etwas auf sich halten, machen Kanban, um Projekte abzuarbeiten oder nutzen Scrum, um die iterative Umsetzung von Projekten nach Kundenwunsch umzusetzen. Design Thinking Workshops sind der Renner, wenn es um die gemeinsame Entwicklung neuer Geschäftsmodelle geht.  

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Hype oder nicht Hype – das ist hier die Frage?

Gehen wir der Sache auf den Grund:

Im Kern bedeutet agiles Arbeiten größere Flexibilität, schnellere Handlungsfähigkeit und die Bereitschaft, innovativ zu denken und zu arbeiten, statt an veralteten Prozessen festzuhalten. Dazu müssen bürokratische Hürden abgebaut werden, um Platz für mehr Dynamik zu schaffen.

Aber wozu muss ich meine Arbeitsweisen anpassen, wenn meine bewährten Methoden und Prozesse, die ich seit Jahren nutze, gut funktionieren?

Wer morgen noch wettbewerbsfähig agieren möchte, muss sich heute der digitalen Transformation stellen. Dabei beinhaltet der notwendige und radikale Wandel von einem Ist- zu einem noch unklaren Zielzustand noch nie dagewesene Herausforderungen. Und dies sowohl bezüglich des Inhaltes (neue Geschäftsmodelle, Organisation, Prozesse, Technik/IT) als auch in Bezug auf das Vorgehen. Die digitale Transformation der Unternehmen kann nur agil gelingen. Hier ist quasi der Weg das Programm: Nur ein agiles Vorgehen ermöglicht den Wandel, um sich der Vision eines agilen Unternehmens zu nähern.

Dafür hat ein altbekannter Begriff aus den 1980ern zunehmend im wirtschaftlichem Kontext an Bedeutung gewonnen: die sogenannte VUCA-Welt. VUCA ist ein Akronym und dient als Leitlinie zur Orientierung und Fokussierung auf das Wesentliche.

                         VUCA

Die Buchstaben stehen für

V = Volatility (Volatilität)
Das Marktumfeld ist in einem Prozess ständiger und gravierender Veränderung

U = Uncertainty (Unsicherheit)
Zukünftige Marktentwicklungen können immer schwerer prognostiziert werden

C = Complexity (Komplexität)
Simple Ursache-Wirkung-Kausalitäten gibt es nicht mehr, stattdessen wird das Umfeld wird von vielen unbekannten Faktoren beeinflusst

A = Ambiguity (Mehrdeutigkeit)
Informationen und Sachverhalte können unterschiedlich interpretiert werden

 

Um in dieser VUCA-Welt überleben zu können, ist permanenter Wandel erforderlich. Agilität ist hier eine Grundvoraussetzung: Nur mit agilen Strukturen sind Organisationen in der Lage, in volatilen Zeiten mit der erforderlichen Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Geschwindigkeit auf unvorhergesehene Änderungen zu reagieren.  Beim Verstehen geht es um die großen Zusammenhänge, um strategisch denken und planen zu können. Und bei Agilität darum, schnell und frei von Angst vor Fehlern neue Wege auszuprobieren, um sich den neuen Gegebenheiten und Herausforderungen mit einem Trial & Error-Prozess in mehreren Schritten anzunähern.

Dabei ist gerade diese ständige Weiterentwicklung ein wichtiger Aspekt. Denn Agilität ist ein Charakteristikum eines lebendigen Systems, um ständig veränderten Marktbedingungen zu begegnen. Kennzeichen einer solchen gelebten Agilität sind Kundenzentrierung und Mitarbeitendenorientierung, Beweglichkeit, Reaktions- und Veränderungsfähigkeit sowie Resilienz. Dabei geht es in erster Linie um eine neue Haltung, um ein geändertes Mindset. Alte Glaubenssätze und Werte sind hierfür zu hinterfragen. Agilität ist jedoch nicht für den Output des Unternehmens und die Innovationskraft wichtig, sondern auch für das, was dahintersteht – die Belegschaft. Eine völlig neue Form der Zusammenarbeit ist zu gestalten und ständig weiterzuentwickeln – es gilt, eine kontinuierliche Veränderungsbereitschaft in der Organisation zu verankern. Wichtigster Erfolgsfaktor ist dabei die oberste Führungsebene. Sie ist verantwortlich dafür, dass sich die Unternehmenskultur wandeln kann.

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Sollte man sich nun also über agile Arbeitsweisen Gedanken machen oder Agilität als Hypethema doch lieber vorüberziehen lassen? Eigentlich ganz einfach: Die Globalisierung, Innovationen und der Megatrend der Digitalisierung beeinflussen unsere Arbeitswelt. Unser Arbeiten ist heute geprägt durch Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz, das Internet of Things, Big Data – Entwicklungen, die mit großer Sicherheit auch in der Zukunft von Relevanz sein werden. Unsere Kund*innen erwarten immer schnellere, innovativere Lösungen. Die Digitalisierung treibt das Tempo vieler Geschäftsprozesse an. Immer mehr Aufgaben sind in kürzester Zeit und parallel zu bewältigen. Ereignisse und Entwicklungen im Geschäftsumfeld werden unvorhersehbarer und weniger planbar.

Spätestens jetzt ist also Zeit, bisherige Erfolgsmodelle und Erfahrungen zu überprüfen und neue, passende Herangehensweisen für Menschen, Teams und Organisationen auf den Weg zu bringen.

Darauf sollten Sie gewappnet sein!

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